Das Sonderklasse-Zimmer

Die meisten Sonderklasse-Tarife decken das Zweibettzimmer. Wer allein liegen will, braucht einen Einbett-Baustein: bei der Wiener Städtische in Wien für 30-Jährige 11,37 Euro im Monat zusätzlich. Medizinisch ändert das Zimmer nichts, denn behandelt wird in gemeinnützigen Spitälern nach dem Gesundheitszustand, nicht nach der Klasse.

Was das Gesetz vorgibt

Das Krankenanstalten- und Kuranstaltengesetz regelt die Sonderklasse nur im Rahmen. Nach § 16 KAKuG muss sie durch ihre besondere Ausstattung „höheren Ansprüchen hinsichtlich Verpflegung und Unterbringung“ entsprechen. Wann ein Spital eine Sonderklasse einrichten darf und wer dort aufgenommen wird, regeln die Landesgesetze. In gemeinnützigen Spitälern darf die Sonderklasse höchstens ein Viertel der Betten umfassen, und Behandlung, Pflege, Verpflegung und Unterbringung richten sich nach dem Gesundheitszustand, unabhängig von der Klasse.

Der Unterschied liegt also nicht in der Medizin, sondern in Komfort, Arztwahl und Termin. Ein Zimmermerkmal wie „eigenes Bad“ oder „Fernseher“ schreibt das Bundesgesetz nicht vor, das hängt vom Spital ab.

Was die Versicherer zusagen

VersichererGenannte Vorteile der Sonderklasse
UNIQAmehr Privatsphäre im Sonderklassezimmer, längere Besuchszeiten, freie Wahl von Spital und Arzt, Untersuchungs- und Operationstermine nach Ihren Wünschen
Allianzruhige Ein- oder Zweibettzimmer, flexible Essensauswahl, individuelle Betreuung, oft schnellere Operationstermine
GRAWEEinbettzimmer wählbar, längere Besuchszeiten, flexible Termine

Formulierungen aus den Produktseiten und Foldern der Versicherer. Was ein Zimmer konkret bietet, legt das jeweilige Spital fest.

Zweibett oder Einbett

Der Unterschied ist in den Tarifen klar geregelt, aber unterschiedlich gelöst:

VersichererZweibettzimmerEinbettzimmer
Wiener Städtische bestHEALTHin allen VariantenZusatztarif „Garantie Einbettzimmer“
DONAU Securmed StationärGrunddeckungZusatzbaustein „Securmed Einbettzimmer“
AllianzComfort, Extra, MaxExtra mit Selbstbehalt, Max ohne Selbstbehalt; Max zusätzlich Familienzimmer
GRAWE MyMEDclinicGrunddeckungals ergänzende Leistung wählbar
MerkurGrunddeckung in Unfall, Smart und Bestzusätzlich versicherbar
GeneraliGrunddeckungzusätzlich versicherbar

Quellen: Tarifblatt bestHEALTH Wien (01/2026), DONAU Prospekt Securmed Stationär (12/2025), Allianz Leistungsvergleich Sonderklasse, GRAWE Folder MyMED (10/2026), Merkur und Generali Informationsblätter.

Was der Einbett-Baustein kostet und leistet

Die Wiener Städtische veröffentlicht den Einbett-Zuschlag im Gruppentarifblatt für Wien, Auflage Jänner 2026, als Zusatzprämie zur Sonderklasse im Zweibettzimmer:

AbschlussalterPREMIUM ZweibettZuschlag EinbettzimmerZusammen
bis 1929,86 €3,45 €33,31 €
30116,34 €11,37 €127,71 €
40145,87 €14,93 €160,80 €
50189,38 €19,80 €209,18 €
60250,10 €26,35 €276,45 €

Monatsprämien. Quelle: Wiener Städtische, bestHEALTH Sonderklasse Wien, Tarife GYA626 und ED26, Auflage 01/2026.

Dafür gibt es in allen Vertragskrankenhäusern das Einbettzimmer mit Direktverrechnung. In einem anderen Spital zahlt die Wiener Städtische für das Einbettzimmer bis zu 89 Euro pro Tag dazu. Wer kein Einbettzimmer bekommt oder keines will, erhält stattdessen 22,25 Euro pro Tag. Ähnlich die GRAWE: Wer das Einbettzimmer versichert hat und im Zweibettzimmer liegt, bekommt eine Ersatzleistung von 26,80 Euro pro Tag. Bei der DONAU gibt es bei Nichtbenutzung einen Kostenersatz.

Zum Vergleich die muki, die den Einbett-Aufpreis für alle Sonderklasse-Tarife gleich hoch ansetzt: 14,02 Euro im Monat mit 30, 18,07 Euro mit 40, unabhängig von Bundesland und Kasse. Bei der UNIQA gilt mit dem passenden Ergänzungstarif eine Kostendeckungsgarantie für das Einbettzimmer in direkter Verrechnung, ausgenommen in den Häusern, die ihre Vertragsliste eigens markiert.

Rechenbeispiel: Lohnt sich der Einbett-Zuschlag?

Mit 30 kostet der Einbett-Zuschlag in Wien 11,37 Euro im Monat, 136,44 Euro im Jahr. Über zehn Jahre sind das ohne Prämienerhöhungen 1.364,40 Euro. Wer in dieser Zeit einmal sechs Tage im Spital liegt und kein Einbettzimmer bekommt, erhält 6 × 22,25 Euro, also 133,50 Euro zurück. Der Zuschlag ist damit keine Geldanlage, sondern eine Komfortentscheidung: Er lohnt sich für alle, denen ein Zimmer für sich allein bei einem längeren Aufenthalt den Aufpreis wert ist.

Mit Kind im Spital: das Bett für die Begleitperson

Liegt ein Kind im Spital und bleibt ein Elternteil mit, verlangen die öffentlichen Spitäler in der allgemeinen Klasse je nach Bundesland eigene Gebühren für die Begleitperson. Der Verein KiB Children Care hat sie im März 2025 verglichen:

BundeslandKosten pro TagFreiHöchstdauer
Wien45,10 € für Kinder von 3 bis 6 Jahren, 96,69 € für Kinder über 14Kinder bis 314 Tage im Jahr
Niederösterreich14,43 bis 43,40 € je nach AlterKinder bis 3, Kinder mit Behinderung oder chronischer Erkrankung14 Tage im Jahr

Quelle: KiB Children Care, Bundesländervergleich, laut APA/VIENNA.AT vom 26.03.2025. Für die übrigen Länder nennt der Bericht keine Beträge.

Eine Woche mit einem Fünfjährigen kostet in Wien also 7 × 45,10 Euro, das sind 315,70 Euro, die Gebühren sind laut dem Bericht schon bei der Aufnahme zu zahlen. Die Sonderklasse-Tarife übernehmen die Kosten der Begleitperson, wenn das Kind versichert ist, bei der Allianz im Paket Max auch im Familienzimmer. Versichert sein muss das Kind, nicht der begleitende Elternteil. Welche Versicherer das wie regeln: Kinder versichern.

Was nicht zur Sonderklasse gehört

  • Rehabilitation, Geriatrie und Pflege: In den Informationsblättern der Sonderklasse-Tarife stehen sie regelmäßig unter „nicht versichert“.
  • Bestimmte Spitäler und Zimmerkategorien: Die Generali nennt etwa Kliniken für Suchtkranke sowie Tages- und Nachtkliniken als Einschränkung.
  • Nicht-Vertragsspitäler: Dort ersetzen die Tarife nur festgelegte Beträge, siehe Öffentlich vs. privat.

Vor dem Abschluss klären

  • Deckt der Tarif das Zweibett- oder auch das Einbettzimmer?
  • Was zahlt der Versicherer, wenn im Vertragsspital kein Einbettzimmer frei ist?
  • Gilt die Einbett-Deckung in allen Vertragsspitälern oder nur in einem Teil?
  • Wird ein Familienzimmer für die Begleitperson übernommen, wenn ein Kind im Spital liegt?

Die Tarife und Prämien der Sonderklasse-Versicherung: Sonderklasse-Versicherung. Die Privatkliniken mit Direktverrechnung: Privatspitäler.

Quellen