Was das Gesetz von gemeinnützigen Spitälern verlangt
§ 16 des Krankenanstalten- und Kuranstaltengesetzes (KAKuG) zählt auf, was eine Krankenanstalt gemeinnützig macht:
- Sie strebt keinen Gewinn an.
- Sie nimmt im Rahmen ihrer Einrichtungen jede Person auf, die Anstaltspflege braucht.
- Behandlung, Pflege, Verpflegung und Unterbringung richten sich nur nach dem Gesundheitszustand. Die Aufnahme in die Sonderklasse ändert daran nichts.
- Alle Patienten derselben Gebührenklasse zahlen gleich hohe Gebühren.
- Bedienstete dürfen von Patienten oder Angehörigen nicht entlohnt werden, ausgenommen gesetzlich geregelte Fälle.
- Die Sonderklasse umfasst höchstens ein Viertel der Betten für die stationäre Pflege.
Die öffentlichen Landes- und Ordensspitäler werden über die Landesgesundheitsfonds finanziert. 2025 standen dort laut Sozialministerium 39.937 Betten, in den übrigen Krankenanstalten, zu denen die Privatkliniken gehören, 20.064.
Wie Privatkliniken finanziert werden
Privatkliniken stehen außerhalb der Landesgesundheitsfonds. Für Sozialversicherte zahlt die Krankenversicherung über den Privatkrankenanstalten-Finanzierungsfonds (PRIKRAF) einen Beitrag, aber nur für Leistungen, für die eine Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung besteht. Schönheitsoperationen ohne medizinische Indikation sind ausgeschlossen. Laut dem Fachverband Gesundheitsbetriebe der Wirtschaftskammer behandeln Privatkliniken jährlich mehr als 100.000 Sozialversicherte.
Was über diesen Kassenanteil hinausgeht, etwa die Hauskosten der Sonderklasse und die Honorare der Ärzte, zahlt die private Zusatzversicherung oder der Patient. Wer ohne Zusatzversicherung eine Privatklinik erwägt, sollte vorher einen schriftlichen Kostenvoranschlag verlangen.
Im Vergleich
| Öffentliches Spital, allgemeine Klasse | Öffentliches Spital, Sonderklasse | Privatklinik | |
|---|---|---|---|
| Aufnahmepflicht nach § 16 KAKuG | ja, bei gemeinnützigen Häusern | ja, die Klasse ändert die Behandlung nicht | gilt nicht |
| Finanzierung der Grundleistung | Landesgesundheitsfonds | Landesgesundheitsfonds | PRIKRAF, nur Kassenleistungen |
| Was Patienten zahlen | Kostenbeitrag pro Tag, höchstens 28 Tage im Jahr | Sonderklasse-Entgelte, mit Versicherung direkt verrechnet | alles über dem Kassenanteil, mit Versicherung direkt verrechnet |
| Arztwahl | nein | ja | ja |
| Zimmer | Mehrbettzimmer | Zweibett- oder Einbettzimmer | Zweibett- oder Einbettzimmer |
Warten auf eine geplante Operation
Für planbare Eingriffe führen öffentliche und gemeinnützige Spitäler Wartelisten, sobald die Wartezeit vier Wochen überschreitet. So verlangt es § 5a KAKuG, mindestens für die Augenheilkunde, die Orthopädie und die Neurochirurgie. Die Listen sind pseudonymisiert, auf Verlangen erfahren Vorgemerkte ihre Wartezeit. Pro Abteilung muss erkennbar sein, wie viele Personen insgesamt vorgemerkt sind und wie viele davon in der Sonderklasse. Gereiht wird laut dem Land Oberösterreich nach dem Zeitpunkt der Indikationsstellung, Notfälle und akute Fälle gehen vor.
Wie stark die Wartezeiten zwischen Spitälern eines einzigen Bundeslandes schwanken, zeigt die Übersicht des Landes Oberösterreich, Stand September 2026:
| Eingriff | Kürzeste Wartezeit | Längste Wartezeit |
|---|---|---|
| Katarakt (Grauer Star) | 9 Wochen (Klinikum Kirchdorf) | 50 Wochen |
| Hüft-Endoprothese | 10 Wochen (KH Braunau) | 90 Wochen |
| Knie-Endoprothese | 14 Wochen (KH Braunau) | 109 Wochen |
| Bandscheibenoperation | 8 Wochen (Klinikum Wels) | 52 Wochen |
| Krampfadern | 8 Wochen | 68 Wochen |
| Mandelentfernung, Erwachsene | 7 Wochen (Klinikum Vöcklabruck) | 57 Wochen |
Quelle: Land Oberösterreich, OP-Wartezeiten in den oberösterreichischen Fondskrankenanstalten, Stand September 2026. Nicht jedes Spital bietet jeden Eingriff an. Die Wartezeiten der einzelnen Häuser stehen auf deren Websites.
Für eine Knieprothese liegen in Oberösterreich also bis zu 95 Wochen zwischen dem schnellsten und dem langsamsten Spital. Die Wahl des Spitals kann damit mehr ausmachen als die Gebührenklasse. Ob die Sonderklasse in einem bestimmten Haus zu einem früheren Termin führt, regelt das Gesetz nicht. Die Versicherer werben damit, belastbare Zahlen veröffentlichen sie nicht. Fragen Sie in der Abteilung nach der Wartezeit und danach, wie viele der Vorgemerkten in der Sonderklasse sind.
Vertragsspital oder nicht
Mit einer Sonderklasse-Versicherung ist das wichtigste Merkmal eines Spitals, ob Ihr Versicherer einen Vertrag mit ihm hat. In Vertragsspitälern rechnet das Haus direkt mit dem Versicherer ab, Sie strecken nichts vor. In anderen Spitälern ersetzt der Versicherer die Kosten nur bis zu den Beträgen, die der Tarif dafür vorsieht, der Rest bleibt bei Ihnen.
Auch öffentliche Spitäler stehen nicht immer bedingungslos auf diesen Listen. In der Vertragsspitalliste der DONAU, Stand Jänner 2025, brauchen etwa die Klinik Hietzing in Wien, die Christian Doppler Klinik in Salzburg und das Landeskrankenhaus Hall in Tirol eine Vorbewilligung des Versicherers, die eine Kostenverpflichtungserklärung ersetzt. Bei einzelnen Häusern sind Abteilungen ausgenommen, etwa Heilstättenfälle. Welche Privatkliniken auf den Listen stehen und mit welchen Einschränkungen: Privatspitäler in Österreich.
Rechenbeispiel: Vertragsspital oder Kostenersatz
Ein Aufenthalt in der Sonderklasse kostet 6.000 Euro, das liegt in der Spanne von 3.500 bis 7.000 Euro, die die Allianz für die meisten Aufenthalte nennt. Im Vertragsspital rechnet das Haus direkt mit dem Versicherer ab, für Sie bleiben höchstens ein vereinbarter Selbstbehalt und Zusatzwünsche, die der Tarif nicht deckt. In einem Spital ohne Vertrag ersetzt der Versicherer nur die im Tarif festgelegten Beträge. Wie hoch die sind, steht in den Bedingungen und im Angebot, nicht in den Prospekten. Liegen sie im Beispiel bei der Hälfte, bleiben 3.000 Euro offen.
Vor einem geplanten Aufenthalt klären
- Steht das Spital auf der Vertragsspitalliste des Versicherers, und gilt der Vertrag für die geplante Abteilung?
- Braucht es eine Vorbewilligung oder Kostenübernahmeerklärung?
- Gilt der Vertrag für Zweibett- oder auch für Einbettzimmer?
- Fällt ein Selbstbehalt an, und wie hoch ist er im laufenden Kalenderjahr noch?
- Ohne Zusatzversicherung: schriftlichen Kostenvoranschlag verlangen.
Was das Sonderklasse-Zimmer ausmacht: Sonderklasse-Zimmer. Die Tarife: Sonderklasse-Versicherung.
Quellen
- RIS: § 16 KAKuG (Gemeinnützigkeit, Sonderklasse), § 27a KAKuG (Kostenbeitrag)
- Sozialministerium: Bettenentwicklung in Österreich (PDF, Betten 2025)
- RIS: § 5a KAKuG (Wartelisten); Land Oberösterreich: OP-Wartezeiten, Stand September 2026 (PDF)
- WKO, Fachverband Gesundheitsbetriebe: PRIKRAF sichert Gesundheitsversorgung (25.08.2026)
- DONAU: Vertragsspitalliste für Österreich (PDF, Jänner 2025)
- UNIQA: Vereinbarungen mit Privatkliniken; Allianz: Sonderklasse