Merkur Krankenversicherung

Die Merkur wurde 1798 mit 58 Mitgliedern gegründet, gilt als älteste Versicherung Österreichs und ist heute nach eigenen Angaben der zweitgrößte private Krankenversicherer des Landes. Ihre Sonderklasse besteht aus Bausteinen: Unfall, schwere Erkrankungen, Operationen und der volle Spitalsschutz lassen sich einzeln wählen.

Merkur auf einen Blick

Gegründet
1798
KV-Prämien 2024
605,3 Mio. €
Abschluss
ab Geburt bis 70
Sitz
Graz

Die Merkur Versicherung AG mit Sitz in Graz gehört zur Gänze der Merkur Wechselseitige Versicherungsanstalt Vermögensverwaltung. Für 2024 meldete die Merkur in der Krankenversicherung 605,3 Millionen Euro an Prämien, 12,1 Prozent mehr als im Jahr davor, und bezeichnet sich als zweitgrößten privaten Anbieter dieser Sparte. Über alle Sparten kam sie in Österreich auf 698,3 Millionen Euro, dazu kommen Gesellschaften in Slowenien, Kroatien, Serbien und Südtirol.

Die Sonderklasse-Tarife

Merkur nennt auf der Website und in den Informationsblättern keine Prämien, die Beträge stehen erst im Angebot. Was die einzelnen Stufen decken, ist dagegen genau beschrieben:

TarifGedeckt im ZweibettzimmerGeburtSelbstbehalt
Sonderklasse Unfallschutz stationäre und ambulante operative Behandlungen nach Unfällen, dazu Arzt- und Facharztkosten nach einem Unfall nein je nach Tarif
Sonderklasse Smart wie Unfallschutz, plus bestimmte schwere Erkrankungen, allergische Reaktionen nach Insektenstichen und bestimmte Kinderinfektionskrankheiten nein -
Sonderklasse Best wie Smart, plus stationäre und ambulante Operationen bei Krankheit nein wahlweise mit oder ohne
Sonderklasse Optimum alle medizinisch notwendigen stationären Behandlungen bei Krankheit und Unfall, ambulante Operationen, Hebammenleistungen ja, mit Wartezeit wahlweise mit oder ohne
Novum Sonderklasse Österreich wie Optimum, kombiniert mit Privatarzt-Leistungen ja mit Selbstbehalt

Quelle: Merkur-Informationsblätter zu den Versicherungsprodukten Sonderklasse Unfallschutz, Smart, Best, Optimum und Novum.

Best: die Stufe für Operationen

Best zahlt die Sonderklasse, wenn wegen einer Krankheit operiert wird, stationär oder ambulant, nicht aber bei einem Spitalsaufenthalt ohne Operation, etwa zur Abklärung oder bei einer Lungenentzündung. Bei einer geplanten Operation lassen sich damit Termin, Operateur und Spital selbst wählen, ohne den vollen Spitalstarif zu bezahlen. Im Angebot sollte der Preisunterschied zu Optimum stehen, denn erst er zeigt, was der Verzicht auf die übrigen Aufenthalte spart. Schwangerschaft und Entbindung sind auch hier nicht gedeckt.

Optimum: der volle Spitalsschutz

Optimum deckt Krankheit, Unfall, Schwangerschaft und Entbindung, wahlweise mit oder ohne Selbstbehalt und mit Deckung im eigenen Bundesland oder in ganz Österreich. Wer auf die Sonderklasse verzichtet, bekommt ein Ersatztaggeld oder nach einer Geburt eine Entbindungspauschale. Zusätzlich versichern lassen sich Privatkliniken, ein Einbettzimmer, Zahnbehandlung und Zahnersatz sowie der Zwergerlschutz für Neugeborene. Leistungen rund um eine Schwangerschaft gibt es nicht für Personen, für die noch die Kinderprämie bezahlt wird.

Unfallschutz mit Umstellung bis 35

Der Unfall-Tarif enthält eine Option der begünstigten Umstellung bis zum 35. Lebensjahr. Wer jung mit dem Unfallschutz beginnt, kann damit später in einen umfassenderen Tarif wechseln. Die Bedingungen der Umstellung stehen nicht im Informationsblatt und sollten vor dem Abschluss erfragt werden. Zum Vergleich: Bei DONAU und Wiener Städtische reicht das Umstiegsrecht des Einstiegstarifs bis 45.

Zusatzmodule

  • Regionalvorteil: niedrigere Prämie, wenn die Deckung auf das eigene Bundesland beschränkt wird.
  • Privatklinik und Einbettzimmer: für Aufenthalte in Privatkliniken und im Einzelzimmer.
  • Prämienvorsorge: Ab dem vollendeten 65. Lebensjahr sinkt die Prämie um 25 oder 50 Prozent.
  • Prämienbonus: zwei Monatsprämien zurück, wenn zwei Jahre lang keine Leistung beansprucht wurde.
  • Zwergerlschutz: Krankenversicherung des Neugeborenen ab Geburt ohne Gesundheitsprüfung.
  • ego4you: das Gesundheitsvorsorgeprogramm der Merkur.
  • Zahnversicherung: als Ergänzung zur Kassenleistung beim Zahnarzt.

Was die Prämienmodule bringen

Zwei Monatsprämien nach zwei leistungsfreien Jahren sind 2 von 24 Prämien, also 8,3 Prozent der in dieser Zeit gezahlten Summe. Die Prämienvorsorge wirkt erst spät, dafür stärker: Wer ab 65 nur noch die Hälfte zahlt, spart genau in den Jahren, in denen die Pension das Budget kleiner macht und die Prämie nach Jahrzehnten der Anpassungen am höchsten ist. Was die Prämienvorsorge bis 65 zusätzlich kostet, steht im Angebot und ist die Zahl, an der sich die Entscheidung festmachen lässt.

Selbstbehalt und Geltungsbereich

Ob ein Selbstbehalt anfällt, hängt vom gewählten Tarif ab, die Höhe unter anderem vom Bundesland des Hauptwohnsitzes. Die genauen Beträge stehen in den Besonderen Versicherungsbedingungen. In Österreich gilt die Kostengarantie mit Direktverrechnung in allen Vertragskrankenhäusern, je nach Tarif in ganz Österreich oder nur im eigenen Bundesland. In Europa übernimmt die Merkur die Kosten in allgemein öffentlichen Krankenhäusern, weltweit für stationäre Behandlungen, die in Österreich wegen des medizinischen Standards nicht durchführbar sind. Eine Reiseversicherung ist die Merkur-Krankenversicherung laut Merkur nicht.

In allen Sonderklasse-Tarifen ausgeschlossen sind unter anderem Zahnimplantate, künstliche Befruchtung, kosmetische Behandlungen, Empfängnisverhütung sowie Geriatrie, Rehabilitation und Pflege.

Privatarzt

Für ambulante Behandlungen gibt es drei Stufen, Privatarzt Smart, Best und Optimum, mit steigenden Höchstbeträgen. Ersetzt werden Behandlungen bei Kassen-, Wahl- und Privatärzten, schul- und alternativmedizinisch wie Homöopathie und Akupunktur, dazu Physiotherapie, Psychotherapie, Medikamente, Impfstoffe, Rezeptgebühren, Brillen und Kontaktlinsen, ambulante Vorsorge und Operationen in der Ordination. Hebammenleistungen wie die Geburtsvorbereitung lassen sich je nach Tarif dazuversichern. Der Schutz gilt weltweit. Die Höchstbeträge pro Kalenderjahr und Leistungsart nennt Merkur nur im Angebot und in den Bedingungen.

Impfschäden und Long Covid

Merkur beantwortet zwei Fragen ausdrücklich: Kurzzeitige Impfreaktionen übernimmt sie in der Regel, Impfschäden werden im Einzelfall geprüft, Teilnahmen an Impfstudien sind nicht versichert. Bei Long-Covid-Beschwerden übernimmt sie die nach der Sozialversicherung verbleibenden Kosten im Rahmen des Tarifs.

Vertrag und Kündigung

  • Abschluss: von Geburt bis zum 70. Lebensjahr, mit Hauptwohnsitz in Österreich und nach Beantwortung der Gesundheitsfragen.
  • Zahlung: laut Informationsblatt monatlich im Voraus.
  • Kündigung: erstmals zum Ende des dritten Versicherungsjahres, dann jährlich, jeweils mit drei Monaten Frist.
  • Abrechnung: Stationäre Leistungen rechnet das Vertragskrankenhaus direkt mit der Merkur ab, die Polizzennummer bei der Aufnahme angeben. Ambulante Rechnungen werden eingereicht.

Vor dem Abschluss klären

  • Was kosten Smart, Best und Optimum im eigenen Alter, und wie hoch ist der Selbstbehalt im eigenen Bundesland?
  • Welche schweren Erkrankungen decken Smart und Best genau?
  • Wie funktioniert die Umstellung aus dem Unfallschutz, und bis wann ist sie ohne Gesundheitsprüfung möglich?
  • Wie lange ist die Wartezeit für Entbindungen in Optimum?
  • Was kosten Prämienvorsorge und Regionalvorteil, und was spart der Regionalvorteil?

Welche Fragen beim Antrag gestellt werden: Gesundheitsfragen bei der PKV. Veröffentlichte Prämien anderer Anbieter zum Vergleich: Sonderklasse-Versicherung.

Kontakt

Merkur Versicherung AG
Conrad-von-Hötzendorf-Straße 84, 8010 Graz
Telefon: +43 316 8034
Sonderklasse: Sonderklasse der Merkur

Quellen

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