Sonderklasse-Versicherung

Derselbe Sonderklasse-Gruppentarif der Wiener Städtische kostet eine 30-Jährige in Wien 116,34 Euro im Monat, in Vorarlberg 77,72 Euro. Neben Alter und Selbstbehalt bestimmt bei manchen Versicherern auch das Bundesland, wie viel die Sonderklasse kostet.

Was die Sonderklasse-Versicherung bezahlt

Die Sonderklasse-Versicherung ergänzt die gesetzliche Krankenversicherung bei Spitalsaufenthalten. Sie übernimmt die Mehrkosten für ein Zweibettzimmer, je nach Tarif auch für ein Einbettzimmer, und die freie Wahl der behandelnden Ärztin oder des Arztes. In den Vertragskrankenhäusern des Versicherers rechnet sie direkt ab, Versicherte strecken also nichts vor. In anderen Spitälern ersetzt sie die Kosten nur bis zu den im Tarif festgelegten Beträgen.

Typisch für die Tarife von UNIQA, DONAU und Wiener Städtische sind außerdem:

  • Ersatztaggeld: Wer auf die Sonderklasse verzichtet und in der allgemeinen Klasse bleibt, bekommt einen Tagessatz, nach einer Geburt eine Entbindungspauschale.
  • Ambulante Operationen: Eingriffe, die einen Spitalsaufenthalt ersetzen, sind in den Volltarifen mitversichert.
  • Begleitperson: Liegt ein versichertes Kind im Spital, tragen die Tarife die Kosten einer Begleitperson.
  • Transport und Bergung: Krankentransporte und Hubschrauberbergungen bis zu einem Höchstbetrag, bei DONAU und Wiener Städtische 6.000 Euro.

Nicht gedeckt sind laut den Informationsblättern aller drei Versicherer unter anderem Zahnimplantate, künstliche Befruchtung, kosmetische Eingriffe und Behandlungen zur reinen Vorsorge. Für Arztbesuche außerhalb des Spitals braucht es eine eigene Privatarzt-Versicherung.

Drei Arten von Tarifen

TarifartGedecktBeispieleVeröffentlichte Prämie
Nach Unfall nur Spitalsaufenthalte infolge eines Unfalls DONAU Sonderklasse nach Unfall, UNIQA Sonderklasse nach Unfall DONAU: 7,74 € mit 20 und mit 35, 8,40 € mit 45
Einstieg mit Option Unfall, teils schwere Erkrankungen, plus Recht auf späteren Umstieg ohne Gesundheitsprüfung DONAU SmartStart, UNIQA Sonderklasse Start DONAU: 14,16 € mit 20, 16,30 € mit 30; UNIQA: ab rund 30 € mit 20
Volltarif Krankheit, Unfall, Schwangerschaft und Entbindung UNIQA Optimal bis Premium, DONAU Securmed Stationär, Wiener Städtische bestHEALTH Wiener Städtische (Gruppentarif): 51,76 bis 72,78 € mit 20 in Oberösterreich

Monatsprämien. DONAU Stand Mai 2026, UNIQA Pressemitteilung vom 11.09.2026, Wiener Städtische Tarifblatt 01/2026.

Der Unfall-Tarif ist billig, weil er die häufigsten Spitalsgründe nicht abdeckt: Krankheiten, Operationen ohne Unfall und Geburten. Die Einstiegstarife lösen das über ein Umstiegsrecht. Bei der DONAU kostet es den Unterschied zwischen 7,74 und 14,16 Euro, also 6,42 Euro im Monat für eine 20-Jährige. Dafür gilt beim späteren Wechsel in den Volltarif der Gesundheitszustand vom Vertragsbeginn. Details: DONAU und UNIQA.

Was der Volltarif kostet: ein veröffentlichtes Beispiel

Die meisten Versicherer nennen für den Volltarif keine Prämien, sie stehen erst im Angebot. Eine Ausnahme sind Gruppentarife, deren Tarifblätter offen liegen. Die Wiener Städtische veröffentlicht über die Wirtschaftskammer ihr Tarifblatt „bestHEALTH Sonderklasse“ für das Bundesgremium der Versicherungsagenten, Auflage Jänner 2026. Für Einzelverträge können die Prämien abweichen, die Zahlen zeigen aber, wie stark Alter und Selbstbehalt wirken. Die vier Varianten decken dieselbe Sonderklasse im Zweibettzimmer und unterscheiden sich im Selbstbehalt ab 40 und in der Höhe der Ersatzleistungen, etwa beim Taggeld.

AbschlussalterSMARTBASICCLASSICPREMIUM (ohne Selbstbehalt)
bis 1918,45 €20,50 €22,54 €24,59 €
2051,76 €58,77 €65,78 €72,78 €
3065,47 €75,59 €85,69 €95,80 €
4078,04 €92,07 €106,10 €120,12 €
50105,17 €122,09 €139,03 €155,95 €
60144,60 €165,05 €185,50 €205,96 €
Selbstbehalt ab 40, pro Jahr1.170 €780 €390 €0 €

Monatsprämien, Tarifblatt Oberösterreich. Quelle: Wiener Städtische, bestHEALTH Sonderklasse, Rahmenvertrag Bundesgremium Versicherungsagenten, Auflage 01/2026.

Das Bundesland: bis zu 50 Prozent Unterschied

Die Wiener Städtische rechnet für jedes Bundesland ein eigenes Tarifblatt. Bei gleichem Alter und gleicher Variante liegen zwischen dem günstigsten und dem teuersten fast 50 Prozent:

BundeslandSMART mit 30PREMIUM mit 30Selbstbehalt SMART ab 40Ø Prämienerhöhung der letzten 5 Jahre
Vorarlberg53,11 €77,72 €949 €4,5 %
Burgenland59,15 €86,56 €1.057 €4,9 %
Steiermark60,70 €88,82 €1.085 €5,4 %
Niederösterreich60,90 €89,12 €1.088 €5,0 %
Oberösterreich65,47 €95,80 €1.170 €4,7 %
Tirol66,74 €97,67 €1.193 €5,0 %
Salzburg68,09 €99,64 €1.217 €5,7 %
Wien79,50 €116,34 €1.421 €4,5 %

Monatsprämien bei Abschluss mit 30. Quelle: Tarifblätter bestHEALTH Sonderklasse 01/2026 je Bundesland, abrufbar über wko.at. Für Kärnten war kein Tarifblatt dieser Reihe abrufbar.

Die Prämie bleibt nach dem Abschluss nicht gleich. Die letzte Spalte zeigt, um wie viel die Wiener Städtische in jedem Bundesland in den letzten fünf Jahren durchschnittlich erhöht hat. Was solche Sätze über zehn Jahre ausmachen und welche Erhöhungen das Gesetz erlaubt: Prämienentwicklung nach Alter.

Selbstbehalt: drei Modelle, eine Rechnung

Fast alle Versicherer bieten den Volltarif mit und ohne Selbstbehalt an. Unterschiedlich ist, ab welchem Alter er überhaupt fällig wird:

VersichererKein SelbstbehaltDanachImmer ohne Selbstbehalt
Wiener Städtische bestHEALTHErwachsene bis zum 40. Geburtstag, Kinder zahlen die Hälftefester Betrag pro Kalenderjahr, je nach Bundesland und VarianteUnfälle, ambulante Operationen, Schwangerschaft, Geburt
DONAU Securmed Stationärvom 20. bis zum 40. Geburtstag, davor die Hälfteje nach Bundesland und VarianteUnfälle, ambulante Operationen, Schwangerschaft, Geburt
UNIQA Sonderklasse Optimal und Optimal Plusbis zum 45. Geburtstagpauschal je nach Bundesland, bei Optimal Plus auch nach Aufenthaltsdauer-

Rechenbeispiel: SMART oder PREMIUM mit 45?

Eine 45-Jährige in Oberösterreich zahlt für SMART 89,76 Euro im Monat, für PREMIUM ohne Selbstbehalt 136,27 Euro. Im Jahr sind das 1.077,12 gegenüber 1.635,24 Euro. SMART spart also 558,12 Euro, solange kein Selbstbehalt anfällt. In einem Jahr mit Spitalsaufenthalt kommen 1.170 Euro dazu, dann kostet SMART 611,88 Euro mehr als PREMIUM.

Die Rechnung kippt bei etwa einem Selbstbehalt-Jahr in 2,1 Jahren. Wer seltener ins Spital muss, fährt mit SMART günstiger. Unfälle, ambulante Operationen und Geburten zählen dabei nicht, weil dort kein Selbstbehalt anfällt. Der Selbstbehalt gilt pro Kalenderjahr, mehrere Aufenthalte im selben Jahr kosten ihn also nur einmal.

Wer sich nicht festlegen will: Wiener Städtische und DONAU erlauben einen jährlichen Wechsel in eine Variante mit niedrigerem oder ohne Selbstbehalt bis zum 60. Geburtstag, ohne neue Gesundheitsprüfung.

Wartezeiten: was das Gesetz erlaubt

Wartezeiten sind die Frist nach Vertragsbeginn, in der noch keine Leistung erbracht wird. Das Versicherungsvertragsgesetz begrenzt sie in § 178d auf höchstens:

  • drei Monate allgemein,
  • acht Monate für Psychotherapie, Zahnbehandlung, Zahnersatz und Kieferorthopädie,
  • neun Monate für Entbindungen und die damit zusammenhängenden Behandlungen.

Die meisten Sonderklasse-Tarife verzichten auf die allgemeine Wartezeit. Die Wiener Städtische nennt im Tarifblatt nur die neun Monate für Schwangerschaft, Fehlgeburt und Entbindung, die DONAU nennt Wartezeiten für einzelne Leistungen wie Entbindungen. Tritt der Versicherungsfall innerhalb der Wartezeit ein, muss der Versicherungsnehmer beweisen, dass die Krankheit erst nach Vertragsabschluss erkennbar wurde oder die Schwangerschaft erst danach begann.

Geburt und Neugeborene

Mit neun Monaten Wartezeit, wie im Tarifblatt der Wiener Städtische, ist eine Geburt in der Sonderklasse nur gedeckt, wenn der Volltarif schon vor der Schwangerschaft bestand. Unfall- und Einstiegstarife decken die Entbindung nicht. Bei der DONAU kann SmartStart bei einer Schwangerschaft ab dem zweiten Versicherungsjahr außer der Reihe in den Volltarif wechseln. Wer im Volltarif in der allgemeinen Klasse entbindet, bekommt ein Entbindungsgeld, im Tarifblatt der Wiener Städtische je nach Variante 410 bis 1.843 Euro. Die DONAU zahlt zusätzlich Hebammenleistungen bis 480 Euro.

Für das Baby gilt eine Lücke, die viele überrascht. Das Recht, ein Neugeborenes ohne Wartezeit mitzuversichern, steht in § 178e VersVG nur Versicherten zu, die einen vollen Krankenversicherungsschutz haben, nicht bloß eine Zusatzversicherung zur Sozialversicherung. Für Sonderklasse-Kunden greift es daher nicht. Diese Lücke schließen die Versicherer mit eigenen Babyoptionen oder Babyvorteilen, deren Bedingungen sich unterscheiden. Mehr dazu unter Familie.

Vor dem Abschluss klären

  • Welche Spitäler im eigenen Bundesland sind Vertragskrankenhäuser, und gilt dort Direktverrechnung?
  • Wie hoch ist der Selbstbehalt im eigenen Bundesland, ab welchem Alter fällt er an, und gilt er pro Aufenthalt oder pro Jahr?
  • Wie hoch war die durchschnittliche Prämienerhöhung der letzten Jahre für den angebotenen Tarif?
  • Gilt die Deckung nur in Österreich, in Europa oder weltweit?
  • Ist eine Babyoption enthalten oder zubuchbar, und bis wann muss sie vereinbart sein?

Welche Fragen beim Antrag gestellt werden: Gesundheitsfragen bei der PKV. Die Tarife einzelner Versicherer im Detail: Anbieter.

Quellen