Selbstbehalt in der privaten Krankenversicherung

Der Selbstbehalt in der Sonderklasse liegt bei den Versicherern, die ihn veröffentlichen, zwischen 274 und 1.646 Euro im Jahr. Bei den meisten fällt er erst ab 40 oder 45 an, bei Unfällen und Geburten meist gar nicht. Wer jung abschließt, zahlt also oft jahrelang die günstigere Prämie, ohne ihn je zu bezahlen.

Vier Fragen zu jedem Selbstbehalt

Ein Betrag allein sagt wenig. Vergleichbar wird ein Selbstbehalt erst mit den Antworten auf vier Fragen:

  1. Ab welchem Alter? Viele Tarife setzen ihn bis 40 oder 45 aus, für Kinder gilt oft die Hälfte.
  2. Pro Jahr oder pro Aufenthalt? Wiener Städtische, GRAWE und muki verlangen ihn einmal pro Kalenderjahr, egal wie oft man ins Spital muss.
  3. Wohnort oder Spital? Bei GRAWE und muki zählt, wo behandelt wird, bei der Wiener Städtische das Bundesland des Tarifs, bei der Merkur das Bundesland des Hauptwohnsitzes, bei UNIQA das Bundesland des Spitals.
  4. Wann entfällt er? Bei Unfällen und Geburten ist er bei den meisten Versicherern ausgesetzt, bei manchen auch bei ambulanten Operationen.

Die Modelle der Versicherer

VersichererAusgesetztHöheKein Selbstbehalt bei
Wiener Städtische bestHEALTHErwachsene bis 40, Kinder zahlen die Hälftedrei Stufen pro Jahr, in Wien 474, 947 oder 1.421 €, in Vorarlberg 316, 633 oder 949 €Unfall, ambulante OP, Schwangerschaft, Geburt
GRAWE MyMEDclinicbis 40 (bei Abschluss über 20), bis 20 (bei Abschluss unter 20)650 € pro Jahr, bei Behandlung in Wien oder im Ausland 960 €Unfall, Schwangerschaft, Entbindung
muki SOE 1Bundesland-Tarife ohne im eigenen GebietVS: 549 € (übrige Bundesländer), 823 € (OÖ, Salzburg), 1.646 € (Wien, Ausland) pro Jahr, Kinder 50 %Unfall
DONAU Securmed Stationärhalb bis 20, keiner von 20 bis 40drei Varianten, Beträge je Bundesland über die BeratungUnfall, Schwangerschaft, Geburt, ambulante OP
UNIQA Optimal, Optimal Plusbis 45Optimal pauschal je Bundesland des Spitals, Optimal Plus auch nach Aufenthaltsdauernicht veröffentlicht
Generali MedCare Smartbis 45nicht veröffentlichtnicht veröffentlicht
Allianz Extraentfällt laut Allianz „in vielen Fällen“nicht veröffentlichtnicht veröffentlicht
Merkur Best, Optimum-nach Bundesland des Hauptwohnsitzes, in den Besonderen Bedingungennicht veröffentlicht

Quellen: Wiener Städtische Tarifblätter bestHEALTH 01/2026, GRAWE Folder MyMED 10/2026, muki Tarif SOE 1/26, DONAU Prospekt Securmed Stationär 12/2025, UNIQA Informationsblätter 07.2026, Produktseiten von Generali, Allianz und Merkur.

Wann sich der Selbstbehalt lohnt

Der Selbstbehalt-Tarif ist billiger, solange kein Selbstbehalt fällig wird. Die Frage ist also, wie oft man mit einem Spitalsaufenthalt wegen Krankheit rechnen muss. Daraus ergibt sich eine einfache Rechnung: jährliche Ersparnis bei der Prämie gegen den Selbstbehalt. Teilt man den Selbstbehalt durch die Ersparnis, kommt heraus, wie viele Jahre zwischen zwei Selbstbehalt-Jahren liegen müssen, damit sich der Tarif rechnet.

Beispiel mit 45 Jahrenmit Selbstbehaltohne SelbstbehaltErsparnis pro JahrSelbstbehaltlohnt sich, wenn seltener als
Wiener Städtische, Wien, CLASSIC gegen PREMIUM146,66 €165,49 €225,96 €474 €alle 2,1 Jahre
Wiener Städtische, Oberösterreich, SMART gegen PREMIUM89,76 €136,27 €558,12 €1.170 €alle 2,1 Jahre
muki, ÖGK, Wien, VS gegen B1160,77 €249,72 €1.067,40 €1.646 €alle 1,5 Jahre

Monatsprämien bei Abschluss mit 45. Ein Selbstbehalt-Jahr ist ein Jahr mit mindestens einem Spitalsaufenthalt wegen Krankheit, Unfälle und Geburten zählen nicht.

Auffällig ist das muki-Beispiel: Der variable Tarif spart in Wien über 1.000 Euro im Jahr, der Selbstbehalt ist aber mit 1.646 Euro auch der höchste. Wer in Wien mit 45 nur alle paar Jahre ins Spital muss, kommt mit dem Selbstbehalt-Tarif deutlich günstiger. Bei der Wiener Städtische liegt die Schwelle in beiden Beispielen bei gut zwei Jahren.

Was die Rechnung nicht zeigt

Die Rechnung vergleicht einen festen Betrag mit einem möglichen. Wer einen Selbstbehalt von 1.646 Euro nicht ohne Weiteres zahlen kann, sollte ihn trotz der Ersparnis nicht wählen. Und sie gilt für ein Alter: Mit 30 ist der Selbstbehalt bei Wiener Städtische, DONAU und GRAWE noch gar nicht fällig, die Ersparnis bei der Prämie aber schon da. Für junge Versicherte ist der Selbstbehalt-Tarif in diesen Fällen bis 40 einfach die günstigere Prämie.

Später wechseln

Die Entscheidung muss nicht für immer gelten. DONAU und Wiener Städtische erlauben bis zum 60. Geburtstag jährlich den Wechsel in eine Variante mit niedrigerem oder ohne Selbstbehalt, ohne neue Gesundheitsprüfung. Die DONAU rechnet dabei laut Prospekt die Vorversicherungszeit an. Bei der GRAWE ist ein Umstieg in eine höherwertige Variante jährlich zur Hauptfälligkeit möglich. Wer mit 30 den günstigen Selbstbehalt-Tarif wählt, kann also mit 39 entscheiden, ob er ab 40 lieber ohne versichert sein will, ohne die Gesundheitsfragen erneut zu beantworten. Wie die Prämie nach dem Wechsel berechnet wird, steht in den Bedingungen und sollte vor dem Abschluss erfragt werden.

Selbstbehalt bei Kindern

Kinder zahlen bei mehreren Versicherern die Hälfte: bei der Wiener Städtische den halben Betrag, in Wien 710,50 Euro in der höchsten Stufe, bei der muki 50 Prozent im variablen Tarif, bei der DONAU bis zum 20. Geburtstag den halben Selbstbehalt. Die GRAWE übernimmt ihn für Versicherte, die bei Abschluss unter 20 sind, bis zum 20. Geburtstag ganz. Bei Kindern mit absehbaren Spitalsaufenthalten, etwa wegen einer chronischen Erkrankung, ist der Tarif ohne Selbstbehalt die sicherere Wahl, und der Aufpreis ist klein: Bei der Wiener Städtische in Wien kostet PREMIUM für Kinder 7,46 Euro mehr als SMART.

Vor dem Abschluss klären

  • Wie hoch ist der Selbstbehalt im eigenen Bundesland und bei Behandlung in Wien?
  • Gilt er pro Kalenderjahr oder pro Aufenthalt?
  • Ab welchem Alter fällt er an, und wann entfällt er (Unfall, Geburt, ambulante Operation)?
  • Bis wann ist ein Wechsel in eine Variante ohne Selbstbehalt ohne Gesundheitsprüfung möglich?
  • Kann der Selbstbehalt aus einer Privatarzt-Versicherung ersetzt werden? Bei der UNIQA ist das laut Informationsblatt ausgeschlossen.

Prämientabellen nach Alter und Bundesland: Sonderklasse-Versicherung. Gesamtkosten und Pakete: Was kostet eine PKV?

Quellen