Die Grundrechnung
Eine Versicherung lohnt sich finanziell, wenn die erwarteten Leistungen die Prämien übersteigen. Bei der Sonderklasse ist das für die meisten Menschen nicht der Fall, sonst könnten die Versicherer die Prämien nicht so kalkulieren. Was die Rechnung ändert, sind drei Dinge:
- Wie wichtig die Wahl ist: Termin, Operateur, Spital und Zimmer selbst zu wählen, hat für manche einen hohen Wert, für andere keinen.
- Wie hoch das Risiko eines großen Falls ist: Wer eine geplante Operation erwartet oder einen Kinderwunsch hat, rechnet anders als jemand ohne beides.
- Was nebenbei bezahlt wird: Viele Volltarife zahlen ein Ersatztaggeld, wenn die Sonderklasse nicht genutzt wird. Im Wiener Gruppentarif PREMIUM der Wiener Städtische sind das 320 Euro pro Tag. Fünf Tage in der allgemeinen Klasse bringen 1.600 Euro, mehr als eine Jahresprämie.
Nach Lebenssituation
| Situation | Lohnt sich | Passender Baustein | Beispielprämie |
|---|---|---|---|
| Jung, gesund, kein Kinderwunsch | als Absicherung des Gesundheitszustands | Unfall-Sonderklasse oder Einstieg mit Umstiegsrecht | DONAU 7,74 € (Unfall), SmartStart 14,16 € mit 20 |
| Kinderwunsch in den nächsten Jahren | ja, wenn rechtzeitig | Volltarif mit Geburt, Wartezeit bis 9 Monate | Wiener Städtische Oberösterreich mit 30: 65,47 bis 95,80 € |
| Regelmäßig beim Wahlarzt oder Therapeuten | ab etwa 4 Facharztbesuchen im Jahr | Privatarzt-Versicherung | muki PREMIUM Medium mit 30: 44,97 € |
| Selbständig, Einkommen fällt bei Krankheit weg | ja, für das Einkommen | Taggeld oder Krankengeld | Allianz 100 € Taggeld mit 30: 25,17 € |
| Planbare Operation, z.B. Hüfte, Knie | nur, wenn noch nichts diagnostiziert ist | Volltarif oder Operationsstufe wie Merkur Best | Merkur nennt keine Prämien |
| Ab 50 | teuer, Gesundheitsprüfung strenger | Volltarif mit Selbstbehalt | Wiener Städtische Wien mit 50: 127,72 € (SMART) |
| Knappes Budget | eher nicht | Unfall-Tarif oder gar keiner | muki Unfallsonderklasse Plus 8,81 € |
Prämien pro Monat, Quellen auf den jeweiligen Anbieterseiten. Wiener Städtische: Gruppentarif bestHEALTH 01/2026.
Die drei stärksten Gründe
1. Kinderwunsch
Bei einer Geburt kommen fast alle Vorteile zusammen: Zweibett- oder Einbettzimmer, Arzt der Wahl, oft eine Wahlhebamme, ein Familienzimmer. Wer in der allgemeinen Klasse entbindet, bekommt im Volltarif eine Entbindungspauschale, bei der GRAWE 2.138 Euro, bei der Wiener Städtische in Wien je nach Variante 497 bis 2.238 Euro. Die Bedingung ist der Zeitpunkt: Bei bis zu neun Monaten Wartezeit muss der Vertrag vor der Schwangerschaft stehen. Mehr: Familie.
2. Die Gesundheit von heute sichern
Der wichtigste Grund für einen frühen Abschluss ist nicht die Prämie, sondern die Gesundheitsprüfung. Wer mit 25 gesund ist, wird angenommen, wer mit 40 eine Diagnose hat, vielleicht nicht. Wer das absichern will, ohne den Volltarif zu zahlen, nimmt einen Einstiegstarif mit Umstiegsrecht, bei DONAU und Wiener Städtische mit 25 Jahren um 15,15 Euro im Monat. Mehr: Gesundheitsfragen.
3. Wahlärzte und Therapien
Die Privatarzt-Versicherung ist der Baustein, der sich am ehesten auch finanziell rechnet, weil Wahlarztbesuche häufiger sind als Spitalsaufenthalte. Von einer Facharztrechnung beim Wahlarzt ersetzt die Kasse nach Schätzung der Allianz nur 10 bis 20 Prozent, der Rest bleibt ohne Zusatzversicherung bei Ihnen. Bei regelmäßiger Physio- oder Psychotherapie ist der Jahreshöchstbetrag schnell erreicht. Mehr: Wahlarzt-Versicherung.
Rechenbeispiel: 20 Jahre Sonderklasse
Wer von 30 bis 50 im Wiener Gruppentarif PREMIUM bleibt und eine Prämienanpassung von 4,5 Prozent im Jahr annimmt, zahlt in diesen 20 Jahren rund 43.800 Euro. Dafür gibt es in derselben Zeit vielleicht eine Geburt, eine Operation und einige Spitalsaufenthalte in der Sonderklasse. Wer nur einen Aufenthalt hat, bekommt finanziell weit weniger zurück, als er einzahlt. Wer dagegen nur auf die Option Wert legt und mit dem Volltarif bis zum Kinderwunsch wartet, kann mit dem Einstiegstarif um 15 bis 20 Euro beginnen.
Wann eher nicht
- Bei knappem Budget: Eine Prämie, für die anderswo verzichtet werden muss, ist ein schlechter Tausch. Ein Unfall-Tarif um 8 bis 9 Euro sichert den häufigsten unplanbaren Fall ab.
- Mit schweren Vorerkrankungen: Zuschläge oder Ausschlüsse können den Tarif teuer oder lückenhaft machen.
- Wenn ausschließlich Kassenärzte besucht werden: Dann bringt die Privatarzt-Versicherung wenig.
- Wenn die Wahl im Spital egal ist: Medizinisch notwendige Behandlungen bezahlt die Kasse auch in der allgemeinen Klasse. Was die Sonderklasse laut den Versicherern hinzufügt, sind vor allem Zimmer, Termin und Arztwahl.
Faustregel
Die private Krankenversicherung lohnt sich, wenn sie bezahlt werden kann, ohne auf anderes zu verzichten, und wenn eine der drei Situationen zutrifft: Kinderwunsch, der Wunsch, die heutige Gesundheit abzusichern, oder regelmäßige Wahlarztbesuche. In allen anderen Fällen ist sie eine Komfortversicherung, deren Wert jeder selbst einschätzen muss.
Quellen
- Wiener Städtische: bestHEALTH Sonderklasse Wien und Oberösterreich (PDF, 01/2026); sorgenfreie.sonderklasse.start
- Allianz: Sonderklasse, Krankenhaus-Tagegeld, Privatarzt
- DONAU: Sonderklasse nach Unfall und SmartStart (PDF, 05/2026)
- muki: Wahlarzt Ambulant, Unfallsonderklasse Plus; GRAWE: Folder MyMED (PDF, 10/2026)
- RIS: § 178d VersVG, Wartezeiten