WGKK: seit 2020 Teil der ÖGK

Die Wiener Gebietskrankenkasse gibt es seit 1. Jänner 2020 nicht mehr. Sie ging mit den acht anderen Gebietskrankenkassen in der Österreichischen Gesundheitskasse ÖGK auf. Eine private Krankenversicherung hat die WGKK nie angeboten, sie war die gesetzliche Kasse, zu der die private Versicherung dazukommt.

Was mit der WGKK passiert ist

Grundlage ist das Sozialversicherungs-Organisationsgesetz, kundgemacht im Bundesgesetzblatt I Nr. 100/2018. Es fügte in das ASVG den § 538t ein: Die Gebietskrankenkassen Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg und Wien wurden mit Wirkung zum 1. Jänner 2020 zur ÖGK zusammengeführt. Alle Rechte und Pflichten der neun Kassen gingen an diesem Tag auf die ÖGK über, ebenso die Beschäftigten. Seit April 2019 hatte ein Überleitungsausschuss die Fusion vorbereitet, dessen Mitglieder mit 1. Jänner 2020 den Verwaltungsrat der ÖGK bildeten.

Für Versicherte in Wien hieß das: Wer bei der WGKK versichert war, ist seither bei der ÖGK versichert, ohne eigenen Antrag. Die ÖGK arbeitet mit Landesstellen. Laut einer Analyse in der Fachzeitschrift DRdA-infas sind diese an die Weisungen des Verwaltungsrats gebunden, der ihre Beschlüsse abändern oder aufheben kann.

Einheitliche Leistungen, regionale Honorare

Die ÖGK musste bis spätestens Ende 2020 eine neue, bundesweite Satzung erlassen, bis dahin galt eine Übergangssatzung. Die bestehenden Gesamtverträge mit den Ärzten der einzelnen Bundesländer gelten weiter, bis neue abgeschlossen sind. Das Ziel ist ein bundesweit einheitlicher Leistungskatalog, eine regionale Honorierung bleibt aber zulässig. Für Versicherte ist das der Punkt, der bis heute zählt: Was eine Kassenärztin für dieselbe Leistung bekommt, kann zwischen Wien und den anderen Bundesländern verschieden sein, und damit auch, was die Kasse bei einem Wahlarzt erstattet.

Warum die Krankenkasse für private Tarife zählt

In Wien gibt es neben der ÖGK weitere gesetzliche Träger: die Sozialversicherung der Selbständigen SVS, die Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau BVAEB sowie die Krankenfürsorgeanstalt der Bediensteten der Stadt Wien KFA. Bei welcher Kasse jemand versichert ist, entscheidet bei manchen Versicherern über Tarif und Prämie:

  • muki rechnet die Sonderklasse in eigenen Tarifen: SOE 1 für Versicherte der ÖGK und der KFA, SOE 2 für die SVS, SOE 3 für die BVAEB. Im Österreich-Tarif SOE 1 kostet die Sonderklasse mit 30 Jahren 171,73 Euro im Monat. Details: muki.
  • Allianz nennt den Sozialversicherungsträger ausdrücklich als einen der Faktoren für die Prämie, neben Alter, Gesundheitszustand und Wohnsitzbundesland. Details: Allianz.
  • Wiener Städtische gibt im Tarifblatt bestHEALTH an, dass die Sonderklasse zusätzlich zur Pflichtkrankenkasse gilt, und nennt dabei ÖGK, SVS mit Sachleistung und KFA. Details: Wiener Städtische.

Die Informationsblätter von UNIQA, DONAU, Wiener Städtische, Merkur und GRAWE verpflichten Versicherte außerdem, eine Änderung oder den Wegfall der Sozialversicherung unverzüglich zu melden. Wer etwa von einer Anstellung in die Selbständigkeit wechselt und damit von der ÖGK zur SVS, sollte das dem privaten Versicherer mitteilen, bei der muki bedeutet es auch einen anderen Tarif.

Wahlarzt: was sich mit der ÖGK geändert hat

Die Regel selbst ist geblieben: Beim Wahlarzt erstattet die ÖGK 80 Prozent dessen, was sie einem Kassenarzt für dieselbe Leistung gezahlt hätte. Neu ist der Weg. Seit 1. Juli 2024 müssen Wahlärzte, die im Jahr mehr als 300 verschiedene Patienten behandeln, die Rechnung selbst elektronisch an ÖGK, BVAEB oder SVS übermitteln. Laut Sozialministerium lassen sich so rund 80 Prozent der bei der ÖGK eingereichten Wahlarztrechnungen elektronisch abwickeln. Unterlagen, Fristen und Ausschlüsse: Kostenerstattung ÖGK.

Rechenbeispiel: angestellt oder selbständig in Wien

Bei der muki hängt der Sonderklasse-Tarif an der Kasse. Ein 30-jähriger Wiener, angestellt und bei der ÖGK versichert, zahlt im Tarif SOE 1 Wien/Österreich ohne Selbstbehalt 171,73 Euro im Monat. Als Selbständiger bei der SVS kostet dieselbe Tarifstufe im SOE 2 100,88 Euro, das sind 70,85 Euro oder 41 Prozent weniger. Mit 40 liegen die beiden Tarife bei 219,61 und 127,54 Euro.

Wer die Kasse wechselt, muss das dem Versicherer melden. Ob der Vertrag dann zum neuen Tarif mit dem ursprünglichen Eintrittsalter weiterläuft, sollte vor dem Wechsel schriftlich geklärt sein.

Private Zusatzversicherung für ÖGK-Versicherte in Wien

Die frühere WGKK spielt für die Wahl einer Zusatzversicherung keine Rolle mehr, Wien als Bundesland aber sehr wohl. Mehrere Versicherer rechnen Wien teurer als andere Bundesländer:

VersichererWien-Effekt
Wiener Städtische bestHEALTH (Gruppentarif)mit 30 Jahren ohne Selbstbehalt 116,34 € in Wien, 77,72 € in Vorarlberg
GRAWE MyMEDclinicSelbstbehalt bei Behandlung in Wien 960 €, sonst 650 €
muki SOE 1Bundesland-Tarife mit Selbstbehalt bei Behandlung in Wien, Österreich-Tarif B1 ohne
UNIQA Optimal ab 45Selbstbehalt je nach Bundesland des Spitals, Einbettzimmer in Wien nur als Zweibettzimmer gedeckt

Wer in Wien wohnt, aber im Ernstfall in einem anderen Bundesland behandelt werden will, oder umgekehrt, sollte darauf achten, ob der Tarif nach Wohnort oder nach Ort der Behandlung rechnet. Bei GRAWE und muki zählt der Ort des Spitals, bei der Wiener Städtische das Bundesland des Tarifs. Alle Prämientabellen: Sonderklasse-Versicherung.

Häufige Fragen

Muss ich bei meiner Privatversicherung etwas ändern, weil die WGKK jetzt ÖGK heißt?

Die Fusion war ein Übergang aller Rechte und Pflichten von der WGKK auf die ÖGK, keine Änderung der eigenen Sozialversicherung. Meldepflichtig nach den Informationsblättern der Versicherer sind Änderungen oder der Wegfall der Sozialversicherung. Im Zweifel genügt eine kurze Anfrage beim eigenen Versicherer.

Bietet die ÖGK eine Sonderklasse-Versicherung an?

Nein. Die ÖGK ist die gesetzliche Krankenversicherung. Die Sonderklasse im Spital und die volle Erstattung beim Wahlarzt kommen von privaten Versicherern wie UNIQA, Merkur, Wiener Städtische, Generali, DONAU, GRAWE, Allianz oder muki.

Quellen

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