ERGO Krankenversicherung

15,6 Millionen Euro Prämien hat ERGO 2025 in der Krankenversicherung eingenommen, knapp ein halbes Prozent des österreichischen Markts. Die Sparte gibt es erst seit 2021, und sie besteht aus drei Produkten: einer Sonderklasse, die nur nach Unfällen zahlt, und zwei Zahnversicherungen.

Mann mit Kniebandage und Krücken geht nach einem Unfall mit einer Pflegerin durch einen Spitalsgang

ERGO auf einen Blick

Krankenversicherung seit
2021
KV-Prämien 2025
15,6 Mio. €
KV-Verträge Ende 2025
58.967
Vertragsspitäler (Einträge)
135

Die ERGO Versicherung AG mit Sitz in Wien gehört zur deutschen ERGO Group und damit zur Munich Re. In Österreich ist sie vor allem Lebens- und Schadenversicherer, verkauft wird viel über zwei Bankpartner: die UniCredit Bank Austria, mit der die Zusammenarbeit seit 1984 läuft, und die Volksbanken. Die Krankenversicherung ist laut Geschäftsbericht 2025 die kleinste Sparte mit 2,1 Prozent der Prämien, wächst aber am schnellsten: plus 60,7 Prozent gegenüber 9,7 Millionen Euro im Jahr davor, die Zahl der Verträge stieg um 44,8 Prozent.

Zum Vergleich: Die gesamte private Krankenversicherung in Österreich kam 2025 nach ersten Berechnungen des Versicherungsverbands auf 3,4 Milliarden Euro, UNIQA allein auf 1,48 Milliarden. Getragen wird das Wachstum der ERGO von den Zahnversicherungen. Die Sparte schrieb 2025 einen Verlust von 2,1 Millionen Euro, laut ERGO wegen höherer Leistungen, Abschlusskosten und Rückstellungen durch das schnelle Wachstum im Zahngeschäft.

Wichtig für alle, die nach einer „ERGO Krankenversicherung“ suchen: Einen Sonderklasse-Tarif, der auch bei Krankheit, Operationen ohne Unfall oder einer Geburt zahlt, hat ERGO in Österreich nicht. Der Geschäftsbericht nennt als gesamte Produktpalette der Sparte die Zahnerhaltversicherung, die Zahnersatzversicherung und die Sonderklasse nach Unfall. Gruppenversicherungen in der Krankenversicherung führt ERGO laut Anhang keine.

Sonderklasse nach Unfall: was der Tarif zahlt

Der Tarif deckt das Zweibettzimmer der Sonderklasse, wenn ein Unfall einen stationären Aufenthalt nötig macht. Spital und Arzt sind frei wählbar. Die Leistungen laut Folder (Stand Februar 2026):

LeistungERGO Sonderklasse nach Unfall
Vertragskrankenhaus100 % der Aufenthalts- und Behandlungskosten inklusive Operation und Arzthonorare im Zweibettzimmer, direkt verrechnet
Spital ohne Vertraggedeckelte Kostenerstattung nach Tarif
Ersatztagegeld in der allgemeinen Klasse195 € pro Aufenthaltstag
Transport ins Spital und zurück zum Hauptwohnsitzbis 640 € je Transport
Bergung, auch mit Hubschrauberbis 9.635 €, inklusive Behandlung während des Transports
Stationäre Rehabilitation65 € pro Tag, bis 28 Tage pro Unfall

Quelle: ERGO, Folder Sonderklasse nach Unfall (Stand 2.2026), und Produktseite.

Abschließen können Personen von 18 bis 65 Jahren mit Wohnsitz und Sozialversicherung in Österreich, online und mit Beginn ab dem nächsten Tag. Eine Wartezeit gibt es nicht. Die Prämie richtet sich nach dem Alter bei Vertragsbeginn, als Beispiel nennt ERGO auf der Produktseite 12,12 Euro im Monat mit 18 Jahren, in den FAQ steht 11,81 Euro. Laut FAQ prüft ERGO einmal im Jahr, ob die Prämie angepasst werden muss, sie kann also während der Laufzeit steigen.

Nicht versichert sind Krankheiten, Unfälle vor Versicherungsbeginn, auch wenn ihre Folgen erst danach behandelt werden, und ambulante Behandlungen. Der Folder nennt dazu ausdrücklich selbständige Tageskliniken und Arztordinationen. Ausgeschlossen sind außerdem Unfälle bei Landes-, Bundes- und internationalen Sportwettbewerben und bei gefährlichen Sportarten, präventive und kosmetische Eingriffe, Zahnimplantate und die Rückholung aus dem Ausland. Was als gefährliche Sportart gilt, steht in den Versicherungsbedingungen, und die gibt ERGO nur auf Anfrage per E-Mail heraus.

Spital ohne Vertrag: das Operationsgruppenschema

Liegt man nach einem Unfall in einem Spital, mit dem ERGO keinen Direktverrechnungsvertrag hat, zahlt ERGO nicht die ganze Rechnung. Die Erstattung richtet sich nach der Operationsgruppe des Eingriffs. Das Schema dafür, Stand Jänner 2023, hat ERGO nach eigener Angabe mit Vertretern der Ärztekammer entwickelt. Es ordnet auf 42 Seiten mehr als 1.200 Eingriffe acht Gruppen zu, von 1 bis 8.

Drei typische Unfalloperationen: Der Ersatz des vorderen oder hinteren Kreuzbandes steht in Gruppe 6, die Meniskusresektion und die offene Reposition eines Schlüsselbeinbruchs in Gruppe 5. Teilschritte wie der Zugangsweg sind mit der Gruppe des Eingriffs abgegolten. Welcher Eurobetrag hinter jeder Gruppe steht, veröffentlicht ERGO nicht. Wer ein Spital außerhalb der Liste ins Auge fasst, etwa für die Metallentfernung nach einem Bruch, lässt sich diesen Betrag vorher schriftlich nennen.

135 Vertragsspitäler mit Direktverrechnung

Das Krankenhausverzeichnis der ERGO gilt seit 1. Februar 2025 und umfasst 135 Einträge, manche mit mehreren Standorten. Darunter sind die großen öffentlichen Häuser aller Bundesländer, Ordensspitäler und Privatkliniken:

BundeslandEinträgeBeispiele
Wien26AKH, Klinik Donaustadt, Traumazentrum Wien, Rudolfinerhaus, Orthopädisches Spital Speising
Steiermark22LKH Uniklinik Graz, UKH Steiermark (Graz und Kalwang), Diakonissen-KH Schladming
Niederösterreich19Universitätsklinikum St. Pölten-Lilienfeld, LK Baden-Mödling, LK Wiener Neustadt
Salzburg16LKH Salzburg, UKH Salzburg, Tauernklinikum (Mittersill und Zell am See)
Oberösterreich15Kepler Universitäts Klinikum, UKH Linz, Klinikum Wels-Grieskirchen
Kärnten13Klinikum Klagenfurt am Wörthersee, UKH Klagenfurt, LKH Villach
Tirol13LKH-Universitätskliniken Innsbruck, Bezirks-KH St. Johann in Tirol, KH St. Vinzenz Zams
Vorarlberg6LKH Feldkirch, LKH Bregenz, KH Dornbirn
Burgenland5KH Barmherzige Brüder Eisenstadt, LKH Oberwart
Gesamt135

Quelle: ERGO, Krankenhausverzeichnis für Direktverrechnung der Sonderklasse ab 1.2.2025 (Stand 30.1.2025), Einträge selbst gezählt.

Für einen reinen Unfall-Tarif zählt vor allem eines: Auch die Unfallkrankenhäuser stehen auf der Liste, das Traumazentrum Wien mit den Standorten Meidling und Lorenz Böhler sowie die UKH in Linz, Salzburg, Graz und Kalwang und Klagenfurt. Dazu kommen Spitäler in Wintersportgebieten wie das Tauernklinikum in Zell am See und Mittersill, das Diakonissen-Krankenhaus Schladming und die Bezirkskrankenhäuser St. Johann in Tirol und Kufstein.

Damit die Direktverrechnung klappt, braucht das Spital die Polizzennummer, einen Auftrag zur Direktverrechnung und die Einwilligung zur Datenübermittlung. Die Liste ist nicht fix. ERGO verhandelt die Sätze laufend neu und kann die Zusage für einzelne Häuser schriftlich widerrufen, frühestens mit Wirkung zum 1. Juni 2025. Welche Privatkliniken auf den Listen von ERGO, DONAU und UNIQA stehen und wo es Unterschiede gibt: Privatspitäler in Österreich.

Drei Unfall-Sonderklassen im Vergleich

Unfall-Tarife sind der einzige Bereich, in dem mehrere Versicherer Prämien veröffentlichen. Neben ERGO tun das DONAU und muki:

ERGODONAUmuki Unfallsonderklasse Plus
Monatsprämie12,12 € mit 187,74 € mit 20 und 35, 8,40 € mit 458,81 € pro Person
Ersatztaggeld allgemeine Klasse195 €220 €92,34 € für Erwachsene
Bergungbis 9.635 €bis 6.000 € ab NACA IIInur im Ausland, als Reiseleistung
Transportbis 640 € je Transportbis 480 € zwischen Spitälern197,86 € pro Fall, höchstens 593,59 € im Jahr
Rehabilitation65 € pro Tag, bis 28 Tage pro Unfall50 € pro Tag, bis 42 Tage im Jahrkeine Angabe
Ambulante Operationennicht versichertversichert, wenn die Unfallfolge binnen zwei Jahren behandelt wirdkeine Angabe

Quellen: ERGO, Folder (2.2026) und Produktseite; DONAU, Prospekt Sonderklasse nach Unfall (05/2026), Produktseite und Versicherungsbedingungen Tarif WWH (07.2025); muki, Produktseite Unfallsonderklasse Plus (Prämie inklusive 1 % Versicherungssteuer).

Nach den veröffentlichten Zahlen ist ERGO in diesem Vergleich nicht der günstigste Anbieter: Die DONAU kostet weniger, zahlt mehr Ersatztaggeld und deckt auch ambulante Operationen. Für ERGO sprechen die höhere Bergungsgrenze, der Transport je Fahrt und das höhere Reha-Tagegeld. Die muki rechnet sich vor allem für Vielreisende, weil ihr Tarif Leistungen einer Reiseversicherung mitbringt. Details: DONAU und muki.

Rechenbeispiel: Kreuzbandriss nach einem Skiunfall

Eine junge Frau wird nach einem Sturz auf der Piste mit dem Hubschrauber geborgen, am Kreuzband operiert und bleibt fünf Tage in der allgemeinen Klasse statt in der Sonderklasse.

Ersatztaggeld: ERGO zahlt 5 × 195 = 975 Euro, die DONAU 5 × 220 = 1.100 Euro, die muki 5 × 92,34 = 461,70 Euro.

Bergung: In ihrem eigenen Beispiel setzt ERGO für einen Hubschraubereinsatz 5.200 Euro an. Diesen Betrag decken beide Tarife, die DONAU allerdings nur bei Berg- oder Wassernot ab dem Verletzungsgrad NACA III. Erst wenn eine Bergung mehr als 6.000 Euro kostet, liegt ERGO vorn, mit bis zu 3.635 Euro mehr Deckung.

Prämie: ERGO nennt für 18-Jährige 145,44 Euro im Jahr, die DONAU für 20-Jährige 92,88 Euro, die muki 105,72 Euro. Die ERGO-Prämie ist also gut die Hälfte höher als die der DONAU, für eine Mehrleistung, die nur bei sehr teuren Bergungen greift.

Zahnversicherungen: der Wachstumstreiber

Die beiden Zahntarife, mit denen ERGO in der Krankenversicherung wächst, lassen sich ohne Spitalsversicherung abschließen. Beide ersetzen bis zu 90 Prozent der Rechnung, nach Abzug der Leistung der Krankenkasse, und haben steigende Jahreshöchstbeträge:

VersicherungsjahrZahnerhaltZahnersatz
1.320 €640 €
2.640 €1.280 €
3.960 €1.930 €
4.1.280 €2.570 €
ab dem 5.1.920 €3.850 €
Prämie mit 18 Jahrenab 22,65 €ab 22,78 €

Quellen: ERGO, Folder Zahnerhaltversicherung (Stand 6.2026) und Zahnersatzversicherung (Stand 2.2026), Produktseite Zahnversicherung.

Die Zahnerhaltversicherung zahlt Mundhygiene zu 100 Prozent, bis 265 Euro im Jahr. Nach einem Unfall gilt in beiden Tarifen vom ersten Tag an der volle Höchstbetrag. Für Erwachsene gibt es keine Wartezeit, für Kinder bei der Kieferregulierung acht Monate. Ausgeschlossen sind Behandlungen, die vor Versicherungsbeginn schon nötig oder angeraten waren. Die Staffel ist der Haken: Wer im ersten Jahr eine Krone braucht, bekommt beim Zahnersatz höchstens 640 Euro, bei 22,78 Euro Prämie im Monat sind das gut zwei Jahresprämien. Wie andere Versicherer Zahnbehandlungen absichern: Zahnversicherung.

Für wen ERGO passt

  • Sonderklasse bei Krankheit oder Geburt gewünscht: ERGO scheidet aus. Volltarife haben unter anderem UNIQA, die Wiener Städtische und die DONAU, einen Überblick gibt die Anbieterübersicht.
  • Nur Unfallschutz, junge Sportler: ERGO ist eine Option, wenn hohe Bergungskosten die Sorge sind. Wer vor allem auf Ersatztaggeld und Prämie schaut, fährt mit der DONAU besser.
  • Kunden von Bank Austria und Volksbanken: Dort wird ERGO angeboten. Ein Bankangebot ist trotzdem kein Grund, auf den Vergleich zu verzichten.
  • Zahnvorsorge ohne Spitalstarif: Das ist das eigentliche Kernprodukt der ERGO in der Krankenversicherung, mit der Einschränkung der Staffel in den ersten vier Jahren.

Wer statt der Sonderklasse lieber einen festen Betrag pro Spitalstag will, auch bei Krankheit: Krankenhaustagegeld.

Vor dem Abschluss klären

  • Welche Beträge erstattet ERGO je Operationsgruppe in einem Spital ohne Direktverrechnung?
  • Welche Sportarten gelten als gefährlich und sind damit ausgeschlossen?
  • Bis wann nach dem Unfall sind Folgeoperationen, etwa eine Metallentfernung, noch gedeckt?
  • Wann kann der Vertrag erstmals gekündigt werden? Die Versicherungsbedingungen vorab per E-Mail anfordern.
  • Um wie viel wurde die Prämie in den letzten Jahren erhöht?

Kontakt

ERGO Versicherung AG
ERGO Center, Businesspark Marximum / Objekt 3, Modecenterstraße 17, 1110 Wien
Kunden-Hotline: 0800 22 44 22 (gebührenfrei)
E-Mail: service@ergo-versicherung.at

Quellen

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