Drei Wege zum Arzt, drei Abrechnungen
Für die Kasse zählt nicht, wie gut eine Ärztin oder ein Arzt ist, sondern ob ein Vertrag mit ihr besteht und wie Sie die Leistung in Anspruch nehmen:
| Kassenarzt (Vertragsarzt) | Wahlarzt | Kassenarzt privat in Anspruch genommen | |
|---|---|---|---|
| Vertrag mit der Kasse | ja | nein | ja, aber nicht genutzt |
| Bezahlung | e-card, die Kasse rechnet direkt ab | Sie zahlen die Honorarnote | Sie zahlen die Honorarnote |
| Erstattung der Kasse | entfällt | 80 Prozent des Kassentarifs, höchstens die tatsächlichen Kosten | keine |
| Selbstbehalt | bei BVAEB und SVS 20 Prozent der Kassenleistung | je nach Träger | - |
Die dritte Spalte überrascht viele: Wer eine Kassenärztin als Privatpatient aufsucht, etwa für einen schnelleren Termin, bekommt von der ÖGK nichts zurück. Die Kostenerstattung gibt es nur für Wahlärzte, also für Ärzte ohne Kassenvertrag.
Die wichtigsten Zahlen
- 80 Prozent des Betrags, den die ÖGK einem Vertragsarzt für dieselbe Leistung zahlen würde, ersetzt sie beim Wahlarzt.
- 42 Monate ab dem Behandlungstag haben Sie Zeit, die Wahlarztrechnung einzureichen.
- 300 Patienten im Jahr: Ab dieser Zahl müssen Wahlärzte die Rechnung seit 1. Juli 2024 selbst elektronisch an ÖGK, BVAEB oder SVS übermitteln.
- 150 bis 200 Euro kostet ein Facharztbesuch beim Wahlarzt laut Allianz üblicherweise, 80 bis 120 Euro beim Allgemeinmediziner. Die Kasse erstattet davon nach Schätzung der Allianz 10 bis 20 Prozent.
- 34 Tage beträgt die mittlere Wartezeit auf einen Kassentermin beim Facharzt, in der Inneren Medizin 65 Tage, laut der Kassenarzt-Wartezeitenstudie 2026 von krankenversichern.at.
Wie groß der Wahlarztbereich ist
Der Rechnungshof hat die niedergelassene Versorgung von 2018 bis 2023 geprüft, sein Bericht ist 2025 erschienen. Gemessen an der Versorgungsleistung deckten Wahlärzte 2023 rund 8 Prozent ab, in der Allgemeinmedizin unter 2 Prozent, in den Fachgebieten rund 15 Prozent. Laut einer ÖGK-Befragung 2024 war etwas über die Hälfte der Versicherten in den letzten zwölf Monaten bei einem Wahlarzt.
| Fachgebiet | Anteil der Wahlärzte an der Versorgung 2023 |
|---|---|
| Frauenheilkunde | 25,7 % |
| Psychiatrie | 19,5 % |
| Dermatologie | 17,4 % |
| Orthopädie und Unfallchirurgie | 14,2 % |
| Chirurgie | 14,1 % |
| Innere Medizin | 13,8 % |
| Kinder- und Jugendheilkunde | 13,5 % |
| Augenheilkunde | 13,0 % |
| Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde | 6,9 % |
| Allgemeinmedizin | 1,9 % |
Quelle: Rechnungshof, Ärztliche Versorgung im niedergelassenen Bereich 2018 bis 2023 (Bund 2025/43), Tabelle 8, gemessen an ärztlichen ambulanten Versorgungseinheiten ohne Spitalsambulanzen. Datenbasis sind die zur Kostenerstattung eingereichten Rechnungen.
Wer also zur Frauenärztin geht, landet deutlich öfter beim Wahlarzt als beim Hausarzt. Was ÖGK-Versicherte dafür im Schnitt ausgeben, unterscheidet sich stark nach Bundesland: Die bei der ÖGK eingereichten Wahlarzthonorare lagen 2023 in Tirol bei 120,08 Euro je Anspruchsberechtigtem, in Oberösterreich bei 59,70 Euro, österreichweit bei 73,68 Euro. Für Kassenärzte gab die ÖGK im selben Jahr 379,36 Euro je Anspruchsberechtigtem aus.
Rechenbeispiel: was eine Tiroler Familie beim Wahlarzt bezahlt
Bei 120,08 Euro eingereichten Wahlarzthonoraren je Anspruchsberechtigtem kommt eine vierköpfige Familie in Tirol im Durchschnitt auf rund 480 Euro im Jahr, in Oberösterreich mit 59,70 Euro auf rund 239 Euro. Das ist der Rechnungsbetrag, die Kasse ersetzt davon einen Teil. Und es ist ein Durchschnitt über alle Versicherten, auch über jene, die nie zum Wahlarzt gehen. Rechnungen, die nie eingereicht werden, fehlen in dieser Zahl ganz.
Die Themen im Detail
Unterschied Kassenarzt und Wahlarzt
Vertrag, Abrechnung, Quartalsregel und was ein Jahr beim Wahlarzt tatsächlich kostet.
Zum VergleichKostenerstattung ÖGK
Welche Unterlagen die Kasse braucht, die drei Einreichwege, die 42-Monats-Frist und wann es nichts gibt.
Zur ErstattungWartezeiten und Termine
Wartezeiten auf Kassentermine nach Bundesland und Fachrichtung, Erhebung 2026.
Zu den WartezeitenWo die private Versicherung ansetzt
Die Privatarzt-Versicherung zahlt nach der Kasse: Bei DONAU, Wiener Städtische, Generali, GRAWE und Allianz ersetzt sie den Rest, den die Kasse offen lässt, bis zu einem Jahreshöchstbetrag, der in den veröffentlichten Tarifstufen zwischen 1.350 und 10.262 Euro liegt. Sie rechnet sich erst, wenn Sie regelmäßig Wahlärzte oder Wahltherapeuten aufsuchen. Die Tarife im Vergleich: Wahlarzt-Versicherung. Wer wissen will, was die gesetzliche Versicherung im Spital und beim Zahnarzt übernimmt: Gesetzlich vs. Privat.
Quellen
- ÖGK: Wahlärztinnen und Wahlärzte (Kostenerstattung, Frist, Ausschlüsse)
- Sozialministerium: Elektronische Übermittlung der Wahlarztrechnung (01.07.2024)
- VIENNA.AT: Wien hat kürzeste Kassenarzt-Wartezeit (06.10.2026, Kassenarzt-Wartezeitenstudie 2026 von krankenversichern.at)
- Rechnungshof: Ärztliche Versorgung im niedergelassenen Bereich 2018 bis 2023 (PDF, Bund 2025/43, Tabellen 8 bis 10)
- Allianz: Privatarzt-Versicherung (Wahlarzthonorare, Erstattungsquote)
- SVS: Selbständig Gesund; ORF: BVAEB erhöht Behandlungsbeitrag auf 20 Prozent (30.05.2026)